Sie ist zwar süß aber leider ein Psycho


Sensibel und deshalb psycho?

Jeder kennt es, die meisten lieben es. Der Chartstürmer von Ava Max ist in aller Ohren und in vieler Munde. Besonders, nachdem sie vor kurzem im Interview preisgab, dass sie mit diesem Lied nicht verherrlichen wolle eine Frau als Psycho zu bezeichnen, sondern darauf aufmerksam machen wolle, dass es sich um eine starke Frau handele, welche sich selbst für verrückt hält durch die Lebensumstände, durch die Beziehung, in der sie sich befindet.

Starke Frauen, wahrlich kein neues Phänomen unserer Zeit, dennoch beliebt und gefürchtet wie nie.

Was macht eine starke Frau aus?

Viele würden sagen Selbstbewusstsein, Selbstständigkeit, Bissfestigkeit.

Ich sage: Sensibilität.

Auch wenn nach wie vor in unserer Gesellschaft Sensibilität nicht zu den Softskills zählt, die man gerne und stolz in seiner Bewerbung erwähnt, so glaube ich dennoch, dass es genau das ist, was die Starken ausmacht.

Ja, man benutzt es gerne als Beschimpfung:

„Du Sensibelchen“

„Sei nicht so sensibel“

„Lass das alles nicht so an dich ran“

All das sind gern verwendete Phrasen, um jemanden auf seine angeblichen Fehlwahrnehmungen aufmerksam zu machen.

Sensibel sein ist schlecht, denn es zeigt Schwäche…hat irgendjemand mal beschlossen.

Sensibilität ist abgeleitet von dem lateinischen Wort sensibilis für empfindbar.

In den Neurowissenschaften fällt alles unter Sensibilität, was mit Wahrnehmung zu tun hat, aber nicht von Sinnesorgangen wie Augen und Ohren wahrgenommen wird, sondern spezialisierten Sensoren, die auf Druck, Wärme, Schmerz und chemische Reize reagieren. Natürlich wären diese Reizwahrnehmungen sinnlos, wenn wir nicht mit entsprechenden Gefühlen oder Handlungen darauf reagieren würden. Ein Signal, dass nicht verarbeitet wird, ist verloren und somit nutzlos. Sensibilität ist also ein wichtiger Überlebensfaktor und somit keinesfalls eine Schwäche, sondern ermöglicht uns unsere Umwelt differenziert wahrzunehmen und zu reflektieren.

So weit so gut.

Man könnte an dieser Stelle anbringen, dass solch eine Sensibilität zielführend ist. Lebenserhaltend. Übermäßige Gefühle und Emotionen jedoch nicht. Im Laufe unseres Lebens lernen wir Feuer ist heiß und heiß tut weh, dafür haben wir unsere Rezeptoren. Im nächsten Schritt denkt sich unser Hirn aber „Ok Dude, wenn Feuer weh tut halten wir lieber Abstand“. Logisch. Aber je nachdem welche Erfahrungen man mit Feuer gemacht hat, wird man unterschiedlichen großen Abstandsdrang bzw. Angst empfinden. Ähnlich ist es mit Emotionen und Gefühlen. Diese entstehen aus der Erfahrung heraus und werden dann mit positiven oder negativen Ereignissen in Verbindung gebracht und können unterschiedlich stark ausfallen. Übermäßige Emotionen sind in den seltensten Fällen gut, denn irgendwann hat sich der Körper gedacht, dass das mit den logischen Entscheidungen und den Emotionen gleichzeitig nicht so gut funktioniert. Aber auch hier geht der Punkt an die Sensibelchen bzw. an die, die ihre Sensibilität zu lassen, denn Emotionen und starke Gefühle, Angst, Freude, Trauer, Liebe, all das empfindet doch jeder, selbst der „Stärkste“, doch die vermeintlich Starken lassen diese Gefühle nicht zu. Das hat zur Konsequenz, dass sie, schäumen die Emotionen dann doch mal über, damit einfach nicht umgehen können. Sie haben es nie gelernt, wieder verlernt und sind es einfach nicht gewohnt.

Wir Sensibelchen,

um mich an dieser Stelle mal zu outen, konfrontieren uns ständig mit unserem Körper und tiefsten Empfindungen und wirken deshalb vielleicht in der Momentaufnahme zerbrechlich und schwach, aber langfristig haben wir uns besser unter Kontrolle. Und nicht nur das, durch das wirkliche Empfinden und Durchleben unserer Emotionen, der Geschehnisse oder einfach nur des Ichs, sind wir Sensiblen in der Lage uns stetig selbst zu reflektieren, mit uns selbst zu konfrontieren, daran zu zerbrechen und uns dann wieder zusammenzubauen.

Aus Niederschlägen, Zusammenbrüchen, Selbstwahrnehmung und Reflektion entsteht all das, was sie meisten Menschen an einem starken Menschen, einer starken Frau, schätzen. Selbstbewusstsein und Willensstärke.

Nur wer seine Gefühle zulässt,

auch die negativen und zerstörerischen, aber selbstverständlich auch die positiven und stärkenden, lernt mit ihnen umzugehen und wird sich seiner selbst bewusst. Ein sensibler Mensch wird nicht nur wahrnehmen was er nicht so gut kann und wo seine Schwächen liegen, sondern kann dir auch genauso gut sagen was er selbst oder andere als seine Stärken empfinden. Denn sensible Menschen beobachten und analysieren viel, sie denken und fühlen viel, aber am Ende, nach der Datenprozessierung wissen sie genau was sie wollen, können und sollen.

Gerät man nun an die falschen Leute, in eine Beziehung oder Lebenssituation, in der die Wahrnehmung und Gefühle nicht mit dem übereinstimmen, was gerade passiert, kann es schon mal passieren, dass man als sensibler Mensch die Haltung verliert. Wenn man sich plötzlich nicht mehr auf Sinneseindrücke und sein Bauchgefühl verlassen kann,wenn Logik plötzlich keine Rolle mehr spielt, Ja dann und ich kann in dem Fall nur für mich sprechen, kann man schon mal verrückt werden oder sich zumindest so fühlen.

Viel öfter jedoch und das ist der Punkt, den Ava Max in ihrem Lied anspricht, ist es so, dass man als starke Persönlichkeit (in diesem Fall Frau), spricht man seine Gefühle an, besonders solche, widersprüchlicher Natur, schnell von Außenstehenden als verrückt abgestempelt wird. Menschen bekommen schnell Angst, wenn sie etwas nicht kennen oder nicht verstehen, dann empfinden sie Unbehagen, weil sie den Gefühlen und Gedanken emotional und logisch nicht folgen können, wie sollten sie auch, diese ungeübten, „starken“ Menschen.

Es ist also sweet, dass ihr euch hinter eurer Fassade aus Gleichgültigkeit und vermeintlicher Stärke verstecken wollt, aber wer von uns ist hier eigentlich psycho?

Sweet but psycho von Ava Max

Quelle: YouTube

Bist du auch sweet und psycho zugleich? Dann schreib uns deine Meinung zu diesem Thema! 😉



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