Traveller – der Blick auf die Welt als Reisender


Immer verpönt und doch super. Ich habe es jetzt auch gemacht, bin unter die Traveller gegangen. Und weil da – wie bei so vielem in der heutigen Zeit – so einiges schief läuft, will ich euch Unwissenden einen Travelguide an die Hand geben.

Drei Wochen bin ich über 6.000 km mit dem 33 Jahre alten Bus, durch insgesamt vier Länder getuckert. Die ersten 10 Tage alleine mit einem Kumpel, dann einige mehr oder weniger gemeinsame Tage mit vier weiteren Freunden; dann wieder nur zu zweit. Keine Frage, es war eine geile Zeit mit zig Erfahrungen und Happenings.

Dieser Eintrag soll aber kein Reiserückblick werden, sondern meine wichtigsten Eindrücke zusammenfassen, was da so alles gewaltig aus dem Ruder läuft. Eindrücke über das Life, darüber wie man Dinge betrachtet, wenn man auch nur eine kurze Zeit mehr oder weniger weg ist davon. Manches davon ist komplett neu, anderes hat sich manifestiert; komplette Wandel sind wohl auch dabei:

1. Social Media stinkt nicht und doch sehr stark

Vor dem Urlaub habe ich einen Instagram-Account erstellt. Der Gedanke dahinter war, dass wir so ganz easy cheesy Bilder mit den Daheimgebliebenen teilen können. Das haben wir natürlich, gepaart mit – eigentlich überhaupt nicht – witzigen Texten, auch gemacht. So weit so gut. Wir haben Dinge erlebt und konnten sie direkt mit unseren Freunden teilen (war das nicht der Urgedanke hinter Instagram?). So sind auf die knapp drei Wochen bestimmt an die 50 Bilder und ähnlich viele „Stories“ entstanden (diese selbstlöschenden Bastarde haben wir natürlich gehighlighted und für immer gesaved).

Innerhalb weniger Tage stieg die Zahl unserer Follower plötzlich linear. In den Kreis unserer Freunde gesellten sich plötzlich Leute, die wir teilweise kaum kannten, Bekannte, die wir schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatten und – endlich, nach über zwei Wochen – geile Stripperinnen.

Und schon stieg er, der Druck. Wir mussten abliefern. Und auch wenn alles von Anfang an nur Spaß war, drehte sich plötzlich immer mehr um diese komische Anwendung, „App“, auf unseren Handys. Wir wollten möglichst viel mit den stinkenden Daheimbleibern teilen und bemühten uns logischerweise um mehr und mehr Fotos. „Wer postet heute noch?“ – tatsächlich stellten wir uns diese Frage nicht nur einmal in den vergangenen Wochen.

Nachdem wir beide jeweils ähnliche Feststellungen machten, diskutierten wir logischerweise viel über soziale Medien, verdrehte Darstellung nach Außen und vieles Mehr; genügend Zeit hatten wir ja.

Um es kurz zu sagen. Soziale Medien sind absolut überflüssig.

Viel zu viel sind die Protagonisten hinter den Bildern darauf aus, einen Menschen zu inszinieren, den es so gar nicht gibt; was gar nicht einmal das schlimmste an dem Ganze wäre. Aber gleichzeitig reißen sich diese Protagonisten aus der Realität und erleben das zu erlebende durch einen Bildschirm, durch eine Kamera, durch zahlreiche Filter. Der Mehrwert dieses Moments wird logischerweise durch die Zahl der Likes bewertet; die Tatsache, dass man es selbst – und nur für sich selbst – für gut befindet, reicht nicht. Nun wurde sich ja schon viel über dieses Phänomen ausgelassen; dahinter möchte ich mich ganz einfach einreihen.

2. Alkoholiker sind doch asozial

Gerade in den skandinavischen Ländern, in denen der Alkohol bekannterweise sehr teuer ist, fielen mir die Alkoholiker auf. Genauer fiel mir das Fehlen dieser Menschen auf, die sich diese „Krankheit“ jahrelang mühselig aneigneten. In jeder deutschen Stadt gehören sie klassischerweise ins Bild. Quasi mit den Geranien und Tulpen werden sie in die Stadtparks gepflanzt und sind davon nicht wegzudenken.

Konträr hierzu sind die Stadtbilder der nordischen Städte. Trotz intensiver Suche, durften wir hier keinen einzigen Alkoholiker betrachten.

Für mich ergibt sich die logische Schlussfolgerung, dass dieses Phänomen eine Konsequenz des billigen, Alkohols, gepaart mit der überall gegenwärtigen Verfügbarkeit, ist. Einer Krankheit, der die Betroffenen schutzlos ausgeliefert sind, wirkt wie ein süßer Nihilismus, der nie in den nordischen Ländern angekommen ist.

Genauso verhält es sich übrigens mit Süßigkeiten; die auffällig regelmäßige Gesellschaft kranker, übergewichtiger Menschen durften wir erst wieder in Deutschland genießen.

3. Man braucht quasi nichts

Wir waren zu zwei auf engstem Raum. Und natürlich hatten wir von vornherein unsere Bedenken wie es denn so werden würde. Keiner von uns hatte das vorher schon einmal gemacht. Überraschenderweise gewohnten wir uns recht schnell an das Ganze.

Auf engstem Raum ist es quasi immer irgendwo dreckig (nur nicht für die 0,5 Sekunden unmittelbar nach dem Aufräumen). Und wenn die Behausung gerade mal nicht dreckig ist, sind es ihre Bewohner. Sollte beides einmal zur gleichen Zeit sauber sein, wäre das wie der Zusammenschluss von Weihnachten und dem chinesischen Neujahr.

Aber das bringt mich zum Punkt. Auf kleinstem Raum muss man sich organisieren; man hat einfach keinen Bock darauf pausenlos Dinge wegzuräumen, um an ein anderes Ding zu gelangen. Also minimiert man sich und hat schlussendlich immer noch viel zu viel dabei.

Aber nach dem ganzen Urlaub bemerkten wir, wie bequem man zuhause doch ist. Da gibt es so Dinge, über die man sich absolut keine Gedanken macht. Fließendes, warmes Wasser zum Beispiel. Oder eine Waschmaschine, Strom, einen Briefkasten oder ganz einfach ein eigenes Bett in dem man auch mal schmutzige Gedanken denken kann.


Quelle: Giphy

4. Die Gesellschaft guter Freunde ist alles

Der perfekt durchgeplante Roadtrip mit einem geilen Auto, das keine Pannen hat. Hört sich geil an. Ist aber nicht halb so geil, wenn man ihn alleine macht.

Natürlich kann man sich der Katharsis hingeben, im Klang des 1,6 Liter 4 Zylindermotors meditativ versinken und nachts alleine in die Sterne schauen – und dabei ein kleines bisschen weinen. Aber man kann es auch lassen und sich eine Begleitung suchen.

Eine Freundin, ein Liebhaber oder einfach einen Kumpel. Wichtig ist nur, dass man sich jemanden sucht, der entspannt ist. Also scheidet eine Freundin aus. Ein Liebhaber? – da kenne ich mich nicht aus.

Auf jeden Fall ist Reisen zu zweit unglaublich schön. Zum einen kommt man unweigerlich dazu, seine Begleitung besser kennenzulernen. Weiter teilt man das Gesehene mit jemanden, boxt sich durch so manches Problem gemeinsam, und das beste ist ganz einfach, dass man auch an den abgelegensten Orten jemand zur Seite hat, der Fotos von einem machen kann, die dann aussehen, als würde man überrascht worden sein und gar nicht mit einem Foto gerechnet hätte.

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