Führerschein – Die Prüfung ist doch kein Problem


Ich habe meinen Führerschein schon seit einigen Jahren und bin bisher einigermaßen unfallfrei durchgekommen. Einigermaßen heißt, kein großer Unfall aber ehrlicherweise schon so zwei, drei Bagatellschäden. Grundsätzlich halte ich mich für einen umsichtigen und guten Autofahrer.

40% Durchfallquote

Ein Bekannter von mir ist Fahrlehrer. Irgendwie kamen wir ins Gespräch darüber, dass immer mehr Fahrschüler durch die Prüfung fallen. 2017 wurden knapp 900.000 theoretische Prüfungen geschrieben, davon 44% nicht bestanden. Die praktische Prüfung lief etwas besser, aber auch da wurden 40% Prozent der durchgeführten Prüfungen nicht bestanden. Das ist ziemlich viel. Und mein Bekannter meint, es sei wohl noch nicht das Ende der Fahnenstange, denn die Quote steige seit Jahren kontinuierlich.  Ich habe meinen Führerschein damals auf Anhieb bestanden, sowohl Theorie als auch Praxis. Der Fahrlehrer weiß, dass die theoretische Prüfung in den letzten Jahren tatsächlich schwieriger geworden ist. Zu meiner Prüfungszeit standen die Fragen immer in der gleichen Reihenfolge auf den Fragebögen, heute werden sie durcheinander gemischt. Auch die Reihenfolge der Antwortmöglichkeiten wechselt. So wird verhindert, den Führerschein durch stures Auswendiglernen zu bestehen. Es gibt noch einen weiteren Grund für die hohe Durchfallquote. Für viele junge Leute ist der Führerschein nicht mehr so essentiell wichtig, es ist kein selbstverständliches Muss mehr, mit 18 Jahren den Führerschein zu haben. Das Bestehen der Prüfung hat nicht mehr die Priorität wie noch vor einigen Jahren. Gerade in großen Städten nimmt die Zahl der jungen Leute ohne Führerschein beständig zu. Ich wäre in meinem Dorf versauert und vor Scham im Erdboden versunken, hätte ich mich nicht tierisch angestrengt, um pünktlich zu meinem 18. Geburtstag den Führerschein in Händen zu halten.

Ich schaffe das

Leichtsinnigerweise lasse ich mich zu der Behauptung hinreißen, dass ich den Führerschein auch heute wieder bestehen würde. Gönnerhaft erklärt mein Bekannter, es reiche ihm völlig, wenn ich Theorie ODER Praxis auf Anhieb bestehen würde, um die Wette zu gewinnen. Und ehe ich mich versehe, habe ich auch schon eingeschlagen und – die Wette gilt! Bestehe ich, bekomme ich einen Kasten Bier, wenn ich durchfalle bin ich meinem Bekannten einen Kasten schuldig. Ok, beim Thema Führerschein ausgerechnet um Bier zu wetten ist vielleicht nicht besonders sinnvoll, aber was soll’s. Ich trinke es ja zu Hause, da muss ich nicht fahren.

Jetzt sitze ich also völlig unvorbereitet vor einem Bildschirm, zu meiner Zeit waren das noch Papierbögen, und klicke mich durch die Fragen.

Wer hat hier Vorfahrt – weiß ich, “Rechts vor Links” hat sich eingeprägt.

Worauf achte ich an dieser Kreuzung – weiß ich, mehrspurige Straßen sind mir vertraut.

Was muss ich bei nasser Fahrbahn beachten? – Weiß ich, schon 1000 Mal bei Regen gefahren.

Läuft gut…

Doch bei der Frage nach dem Bremsweg muss ich passen. Ich soll seine Länge angeben bei einer Fahrgeschwindigkeit von 100 km/h. Mir fällt noch ein, dass ich das mit einer Faustformel berechnen kann. Aber wie die lautet – keine Ahnung. Ich schätze 150 Meter. Es wären 100 Meter gewesen.

Nach einer knappen halben Stunde bin ich fertig und warte gespannt auf die Auswertung. Uuups! 18 Fehlerpunkte. Durchgefallen! Erlaubt sind nur 10. “Gefahrenlehre” war meine große Schwachstelle. Da hilft es auch nichts, sich damit herauszureden, dass man das ja eh nie braucht. Durchgefallen ist durchgefallen. Schade. Ich bin richtig traurig.

Die zweite Chance

Eine Chance sollte ich ja noch bekommen, meint der Fahrlehrer lachend.

Am nächsten Tag verabreden wir uns für abends an der Fahrschule. Ziemlich aufgeregt steige ich ein und die “Prüfung” beginnt. An der Ampel links abbiegen, in der 30er-Zone rechts vor links beachten, am Stoppschild ganz zum Stehen kommen. Alles funktioniert. Beim Seitwärts-rückwärts einparken wird mir heiß, aber zum Glück klappt auch das vorbildlich. Beim Losfahren denke ich sogar an den Schulterblick. Noch ein kurzes Stück Überlandfahrt, da fühle ich mich sicher. Den Traktor vor mir überhole ich mit Blick in den Spiegel und Schulterblick und setze den Blinker beim aus- und einscheren. Ich bin richtig stolz auf mich. Und inzwischen ziemlich erledigt. Gefühlt fahren wir schon mindestens zwei Stunden. Endlich geht es zurück zur Fahrschule. Es sind gerade einmal 45 Minuten vergangen. Ich freue mich schon, dass ich es geschafft habe, als mein Bekannter sagt: “Zum Abschluss zeigst du mir noch, wie man den Stand des Motoröls prüft.” Oh Schreck, das hatte ich nicht auf dem Schirm, dass ich auch technische Fragen beantworten muss. Wie peinlich, ich bekomme die Motorhaube nicht auf. Der Fahrlehrer öffnet sie mir und wenigstens schaffe ich den Rest der Aufgabe. Öl ist genug vorhanden. Trotz dieses kleinen Fauxpas bin ich sehr zufrieden mit meiner Leistung.

Quelle: Giphy

Fertig, endlich. Erwartungsvoll sehe ich der Ergebnisbesprechung entgegen. Und was soll ich sagen, ich bin gerade auf dem Weg, einen Kasten Bier zu kaufen.

Und es lag nicht an der Motorhaube. Mein Bekannter meinte, konstant zwischen 45 und 50 km/h in der 30er-Zone und im Überholverbot einen Traktor überholen,  damit besteht man keine Prüfung. Da hilft auch kein Schulterblick. Beide Male durchgefallen, schade um das gute Bier.

 

Mama hatte doch recht – zumindest mit diesen Dingen

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